Sri Lanka

Im heutigen Reisemedizin Blogbeitrag geht es nach Sri Lanka. Die tropische Insel im Indischen Ozean hat einiges zu bieten und ist noch nicht so sehr vom Tourismus geprägt wie etwa viele Gebiete in Thailand oder auf Bali.

Das Klima ist das ganze Jahr über feucht und tropisch warm, wobei im Südwesten von Mai bis September Regenzeit herrscht.

Impfungen

Zwingend notwendige Impfungen bei Einreise aus der Europäischen Union gibt es nicht. Es empfiehlt sich dennoch ein kurzer Blick in den Impfpass, ob alle vorgesehenen Standardimpfungen wie z.B. Tetanus, Diphtherie, Polio, Keuchhusten etc. noch gültig sind. Zusätzlich wird allen Reisenden eine Impfung gegen Hepatitis A und Typhus empfohlen.

Bei der hohen Rate an Reisedurchfallserkrankungen bei Touristen in Sri Lanka, würde ich Ihnen außerdem eine Impfung gegen Cholera anraten. Eine Immunität gegen das Choleratoxin schützt nämlich auch in ca. 50% gegen ETEC (Enterotoxische E.coli), den häufigsten Erreger des Reisedurchfalls.

Unbedingt zu bedenken ist außerdem eine Impfung gegen japanische Enzephalitis. Dabei handelt es sich um eine Infektionserkrankung, die von Reisfeldmücken der Gattung Culex übertragen wird. Das Risiko einer Infektion ist für Touristen normalerweise gering, empfiehlt sich aber für Langzeitaufenthalte oder eben, wenn man in den Reisfeldern unterwegs ist.

Und dann stellt sich natürlich noch die Frage: Tollwut Impfung - ja oder nein? Diese Entscheidung fällt nicht immer leicht. Für eine Impfung spricht, dass man sich auch bei einfachen Reisebedingungen keine Sorgen machen muss - vor allem in Hinblick darauf, dass das sehr teure Tollwutimmunglobulin (=Antikörper, die das Tollwutvirus abfangen sollen, bevor sie Schaden anrichten), welches im "Ernstfall" verabreicht werden muss, nicht überall in Sri Lanka vorrätig ist. Aber ist das Risiko wirklich so groß?

Dazu gab es in den Jahren 2014 und 2015 zwei interessante Publikationen. Im BMC Infectious Diseases wurden die Daten aus einem Krankenhaus in der Zentralprovinz Sri Lankas publiziert, welche über einen Zeitraum von 5 Jahren erhoben wurden. Innerhalb dieser 5 Jahre wurden ingesamt 10.662 Hunde- und 3.982 Katzenbisse von nicht-immunisierten Tieren registriert, so dass diese Patienten eine sog. Postexpositionsprophylaxe (d.h. Impfung und Immunglobulin) erhielten. Die Tiere, die diese Patienten gebissen hatten wurden unter 10-tägige Beobachtung gestellt. Das hat bei ca. 80% funktioniert, von diesen konnte bei keinem Tollwut nachgewiesen werden.

Im Jahr 2014 wurde die Auswertung von Langzeitdaten (Jahre 1999-2010) des Referenzlabors für Tollwut in Colombo veröffentlicht. In diesen 10 Jahren konnte bei 9683 Hunden, 1962 Katzen und 383 Menschen der Tollwutvirus nachgewiesen werden. Eine Karte, auf der die Häufigkeit von Tiertollwutfällen aufgetragen wurde, zeigt, dass in den Provinzen um Gampaha, Kalutara, Colombo und Galle die größte Häufigkeit besteht. Insgesamt sind in diesen Jahren jedoch weniger Menschen an Tollwut verstorben, wie noch in den Jahren zuvor.

Und sonst?

Ganz klar - auf Mückenschutz und Hygienemaßnahmen achten! Sri Lanka ist aufgrund der einfacheren hygienischen Verhältnisse - wer schon einmal auf einem Fischmarkt dort war, weiß wovon ich rede 😉 - ein Hochrisikogebiet für Reisedurchfall. Daher sollten Sie unbedingt auf die überall erwähnte Regel achten: cook it, boil it, peel it or leave it. Und natürlich sollte Ihre Reiseapotheke ein paar wichtige Medikamente zur Behandlung des lästigen Durchfalls enthalten. Es empfiehlt sich generell die Reiseapotheke in Absprache mit Ihrem Reisemediziner zu erweitern, da die Versorgung vor Ort (also v.a. außerhalb von größeren Städten) nicht immer gut ist, eine Praxis in einer Wellblechgarage ist keine Seltenheit. Zum Mückenschutz sollte ausreichend DEET-haltiges Spray mitgenommen werden, das tagsüber wichtig ist um vor Aedes-Mosquitos zu schützen, die Dengue- oder Chikungunya-Fieber übertragen können.

Das Malariarisiko ist in Sri Lanka sehr gering, eine Stand by Medikation ist sicher ausreichend.

Straßenverkehr - auf der Straße in Sri Lanka gilt zumeist das Recht des Stärkeren. Das sind in den allermeisten Fällen die öffentlichen Busse, die z.T. sehr rücksichtslos unterwegs sind. Es empfiehlt sich daher bei längeren Strecken lieber auf Züge auszuweichen.

Und zum Schluss: Da in Sri Lanka Visumspflicht für Europäer besteht, bitte vorab hier "Electronic Travel Authorisation" beantragen.

Quellen:

  1. Kularatne SA, Ralapanawa DM, Weerakoon K, Bokalamulla UK, Abagaspitiya N.
    Pattern of animal bites and post exposure prophylaxis in rabies: A five year
    study in a tertiary care unit in Sri Lanka. BMC Infect Dis. 2016 Feb 4;16(1):62.
  2. Karunanayake D, Matsumoto T, Wimalaratne O, Nanayakkara S, Perera D, Nishizono A, Ahmed K. Twelve years of rabies surveillance in Sri Lanka, 1999-2010. PLoS Negl Trop Dis. 2014 Oct 9;8(10):e3205.

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